TUBE-FRONTMAN

Konzept:

Der Fender-Frontman © in seiner Originalversion ist ein kleiner 15Watt Transistor Guitar Combo-Amp für Einsteiger. Für relativ wenig Geld erhält man einen Verstärker mit einem brauchbaren 8-Zoll Lautsprecher und einem Gehäuse das in seinem äußeren Erscheinungsbild einer Miniversion der klassischen Fender Blackface-Amps der 60er Jahre entspricht. Es reifte die Idee das ansprechende Äußere des Amps mit dem eingebauten Lautsprecher zu nutzen und die Transistor-Elektronik durch eine Röhrenschaltung zu ersetzen. Das Original Bedienfeld sollte weiter verwendet werden. Daher musste ein 2-kanaliges Schaltungskonzept mit umschaltbarer Vorstufe „Normal“ und „Drive“ zu konzipiert werden.

  

 © Fender und Frontman sind geschützte Markenzeichen von Fender Musical Instruments

Mechanik:

Nach Ausbau der Halbleiter-Elektronik wurde das Originalchassis auf seiner Oberseite gekürzt und die verbleibende Bedienplatte mit einem neuen Chassis vernietet. Das Bild zeigt das fertige Rohchassis mit den montierten Trafos.

   
Eine besondere Herausforderung stellte die Anordnung aller Bauteile in dem relativ kleinen Chassis dar. Um bei der späteren Montage sicher zu gehen das sich keine Teile überschneiden, wurde der gesamte Aufbau einschl. der inneren Bauteile und Kabelführung vorab in allen Einzelheiten geplant und dokumentiert.
Die Potentiometer der Halbleiterschaltung konnten für das Röhrenkonzept nicht übernommen werden. Es wurden neue  Potis mit geriffelter Achse beschafft. (siehe Stückliste) Sie gestatten die Weiterverwendung der Original Bedienknöpfe.

Schaltung:

Die Endstufe mit 2xEL84 arbeitet im Class AB-  Betrieb. Sie leistet bei einer Versorgungsspannung von 360 Volt etwa 13 Watt (vor Clipping). Die Phasenumkehr wird mit einem Trioden- system in Kathodyn- schaltung (phase inverter tube) realisiert. Durch dieses Konzept konnten alle Vorstufen mit nur 2 x ECC83 realisiert werden. Auf eine Gegenkopplung der Endstufe wurde verzichtet. Aus- gangstrafo und Netztrafo sind handelsübliche Typen. Das Netzteil arbeitet mit Zweiweg-Dioden -Gleichrichtung. Der Einsatz einer  Gleichrichterröhre und einer Siebdrossel wäre für ein Vintage Konzept angesagt, wurde aber aus Platzgründen verworfen.
Die Vorstufe ist zweikanalig aufgebaut – „NORMAL“ und „DRIVE“. Das Schaltungskonzept  wurde so gewählt, dass die Funktion der Potis und des Umschalters “DRIVE SELECT” erhalten blieben.
Im „NORMAL“ Betrieb arbeiten die Vorstufe mit 2 Triodensystemen in klassischer Weise. Mit dem Regler “NORMAL VOLUME“ wird die Lautstärke eingestellt. Der Regler „DRIVE-VOLUME“ ist überbrückt und damit außer Betrieb. das dritte Triodensystem der Vorstufe ist am Gitter kurzgeschlossen und liefert kein Nutzsignal.
Im „Drive“ Betrieb wird das dritte Triodensystem zugeschaltet. Ein Hochpass 470K/2,2nF vor dem “GAIN” Regeler, der den Verzerrungsgrad kontrolliert, unterdrückt die tiefen Frequenzen und sorgt für ein klares Klangbild im übersteuerten Betrieb Der Regler „GAIN“ regelt den  Verzerrungsgrad. „DRIVE-VOLUME“ regelt in dieser Betriebsart die Ansteuerung der Endstufe. Das Klangregelnetzwerk (tone stack) wirkt in beiden Betriebsarten.

Verkabelung:

Die Verkabelung erfolgt in bewährter point-to-point Technik. Die Bauteile sind mit wenigen Ausnahmen auf zweireihigen Lötleisten angeordnet. Auf die Verwendung fragwürdiger Vintage-Spezialbauteile, die für viel Geld angepriesen werden, wurde verzichtet. Ob die damit zu erreichende Verbesserung im Klangverhalten des Verstärkers den finanziellen Mehraufwand rechtfertigen würde bleibt dahingestellt. Die gewählten Bauelemente sind qualitativ hochwertig und in der Regel leicht zu beschaffen. Die Stückliste, enthält detaillierte Angaben über  Bauteile, Daten,  Lieferanten und Preise (Stand Nov.2007)

 

Aus Platzgründen, und weil die Potis mit geriffelter Achse nur für die Montage auf Leiterplatte verfügbar waren, wurden die Bauteile der Volumen- und Klangregelung abweichend vom übrigen Schaltungsaufbau auf einer gedruckte Leiterplatte angeordnet. (Bild).


Gehäuse:

Am Originalgehäuse mussten geringfügige Änderungen vorgenommen werden. Die Befestigung des Traggriffes, erfolgt jetzt mit Einschlagmuttern. Wegen der notwendigen Belüftung wurde die geschlossene Rückwand gegen eine offene ersetzt und das Gehäuse innen geschwärzt. (Bild). Die unbenutzten Öffnungen in der Frontplatte (AUX IN / HEADPHONES) sind mit Blindstopfen verschlossen.
Die beiden kreisrunden Bassreflex-Öffnungen in der Schallwand sind bei der jetzt offenen Rückwand überflüssig und wurden verschlossen. Das fertige Verstärker-Chassis (Bild) wird von hinten in das Gehäuse eingesetzt und verschraubt.

   

   

Klangverhalten

Nach seinem Umbau hat der kleine Combo deutlich an Charakter gewonnen. Im NORMAL-Betrieb erhält man z. B. mit einer Strat cleane, bluesige Sounds die bei höherer Lautstärke in eine angenehme Endstufenverzerrung übergehen. DRIVE liefert crunchige bis zerrende Overdrive-Sounds, die aber nie harsch oder unharmonisch klingen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Wohnzimmer bis zum Probenraum und Gigs in kleiner Besetzung. Für Recording mit Mikrofon-Abnahme ist der Amp auch wegen seiner geringen Nebengeräusche besonders geeignet.

Soundfiles:
(Kommentare über die musikalische Performance sind strikt untersagt :-))

aufgenommen mit Mikrofon Sennheiser MD 421. Platzierung direkt schräg vor dem Lautsprecher, Soundcraft Compact 4 Mixer, Tascam US-122 USB Audio-Adapter.
Gitarre: Fender “Highway 1” Stratocaster

1. Neck-Pickup - Clean-Kanal, Echo-Effekt (Zoom GFX-707) vorgeschaltet: >> Download
2. Bridge-Pickup - Clean Kanal max. Volume mit Endstufenverzerrung: >> Download
3. Bridge-Pickup - Drive Kanal Gain mittel: >> Download
4. Bridge-Pickup - Drive Kanal max. Gain: >> Download

 

Download: Ausführliche Dokumentation

Inhalt:
Detail-Beschreibung, Schaltbild, Chassis Layout, Verkabelungs-Layout, Stückliste mit Bezugsquellen

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